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Historisches Seminar der Universität Bonn

 

Presselenkung im Dritten Reich - Die propagandistische Vorbereitung des Überfalls auf Polen

 

 

Hausarbeit zum Proseminar „Die Außenpolitik des Dritten Reiches“

im WS 1997/98

 

Leitung: Dr. Christoph Studt

 

vorgelegt von:

Matthias Fuchs

1.      Fachsemester Neuere Geschichte

Reuterstraße 101

53113 Bonn

  

1.      Einleitung

 

Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen war in den vorangegangenen Monaten in den Massenmedien des Dritten Reichs, vor allem in der Presse, genauestens vorbereitet worden. Es sollte eine Atmosphäre der Bedrohung Deutschlands, der Einkreisung durch die westlichen Demokratien, geschaffen werden. Mit übertriebenen oder schlichtweg erfundenen Greuelmeldungen über die Unterdrückung der deutschen Minderheit in Polen sollte überdies der Krieg gerechtfertigt werden. Im Deutschen Reich hatten die Nationalsozialisten nach ihrer Machtergreifung ein straffes System der Presselenkung etabliert, welches die Journalisten strengstens überwachte und sie zu kaum mehr als Befehlsempfängern degradierte.

In der vorliegenden Hausarbeit soll zunächst dieser von Kompetenzstreitigkeiten durchzogene Apparat der Presselenkung beleuchtet werden, da er den minutiös durchgeplanten Propagandafeldzug gegen Polen erst ermöglichte.

Im Hauptteil der Arbeit wird dann auf die eigentliche Propaganda am Vorabend des zweiten Weltkriegs eingegangen. Der Wandel Polens vom erhofften Verbündeten und Vasallen für Hitlers Lebensraumkrieg gegen die Sowjetunion hin zum ersten Kriegsgegner wird genauso dargestellt werden, wie die Angriffe gegen England, welches die deutsche Propaganda als eigentlichen Verursacher der „polnischen Kriegshetze“ verteufelte. Desweiteren wird anhand der täglichen Presseanweisungen die Taktik der Attacken gegen Polen untersucht, die sich von vorsichtiger Zurückhaltung bis Anfang August 1939 hin zu den täglichen Schlagzeilen über „polnische Greuel“ in den letzten Friedenstagen und darüber hinaus immer weiter in ihrer Intensität steigerten. Im Vergleich zur gerade vorangegangenen Kampagne zur Annexion der sudetendeutschen Gebiete ergeben sich hier gewichtige Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten. Auch der von der SS inszenierte Zwischenfall am Sender Gleiwitz, der einen der propagandistischen Auslöser des Krieges liefern sollte, wird kurz beleuchtet werden.

Eines der Hauptziele der nationalsozialistischen Vorkriegspropaganda war die Erzeugung einer Kriegsbegeisterung in der deutschen Bevölkerung, die mit dem Enthusiasmus vom August 1914 vergleichbar gewesen wäre. Inwieweit dieses Ziel tatsächlich erreicht wurde, inwieweit die beschriebene Einkreisungs- und Greuelpropaganda schließlich Erfolg zeigte, soll zum Ende untersucht werden.

 

 

 

2.      Der Vorgang der Presselenkung im Dritten Reich

 

In der NSDAP war man der Ansicht, daß es zur geplanten kriegerischen Expansion eines sogenannten „totalen Krieges“ bedürfe. Gemäß der „Dolchstoßlegende“ sei der ungeschlagenen deutschen Armee am Ende des ersten Weltkriegs die demokratische Regierung und die von ihr beeinflußte kriegsmüde Bevölkerung „in den Rücken gefallen“. Um dem vorzubeugen müßten in zukünftigen Konflikten nicht nur das Militär, sondern die gesamte Bevölkerung, die Wirtschaft wie die Kultur mit vollem Einsatz auf den Krieg eingeschworen werden, nur dann könne ein Krieg siegreich sein. Somit war eine totale Kontrolle über die Organe der Volksbeeinflußung Grundvoraussetzung für die neuen Machthaber. Eine besondere Rolle kam dabei der Presse zu, denn, so Hitler in Mein Kampf, ihr Einfluß auf die Masse sei „der weitaus stärkste und eindringlichste, da er nicht vorübergehend sondern fortgesetzt zur Anwendung kommt“.[1]

Bereits kurz nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurden erste Schritte der Gleichschaltung eingeleitet, um den Presseapparat unter nationalsozialistische Aufsicht zu bringen. Am 13. März wurde das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ ins Leben gerufen, Reichspropagandaminister wurde Joseph Goebbels. Dieser legte in einem Gespräch mit Vertretern des Verlegerverbandes (VDZV) bereits die Marschrichtung dar: Die Freiheit Kritik zu üben oder in irgendeiner Form an der Gestaltung der Politik Anteil zu nehmen, werde der Presse unter dem neuen Regime nicht zugestanden werden.[2]

Das Ziel bestand zunächst darin, nicht nur die Kontrolle über die eigenen national-sozialistischen Zeitungen, sondern auch über die bürgerliche Presse zu erlangen. Es gab Stimmen in der NSDAP, die die bürgerliche Presse gleich ganz verbieten lassen wollten, wie dies schon mit den Organen von SPD und KPD geschehen war, doch wurde wohl erkannt, daß man sich ihren guten Ruf in der Bevölkerung zunutze machen konnte. Nach dem „Reichskammergesetz“ wurden nun alle Journalisten in einer berufsständischen Organisation, der „Reichspressekammer“ zusammengefaßt. Wer journalistisch tätig sein wollte, für den war die Mitgliedschaft in ihrer entsprechenden Unterorganisation, dem „Reichsverband der deutschen Presse“, Pflicht. Alle Mitglieder wurden auf Berufslisten geführt, konnten jedoch vom Propagandaminister wieder ausgeschlossen werden, wenn er es im öffentlichen Interesse für geboten hielt[3]. Durch Zulassung oder Ablehnung der Mitgliedschaft konnte so bereits eine Presselenkung erfolgen, die Journalisten wurden zu „Sklaven von Staat und Partei“.[4]

Die nächste Stufe stellte die Einführung des Schriftleitergesetzes dar. Jeder galt als Schriftleiter, der in „Wort, Nachricht oder Bild“ an der Gestaltung von Zeitungen mitwirkte. Um jedoch den Status des Schriftleiters zu erhalten, mußten verschiedene Anforderungen erfüllt sein, u.a. arische Abstammung und die Tatsache, sich nie als „Schädling an Volk und Staat“ erwiesen zu haben. Es hieß weiter, daß das „Eintreten für eine Weltanschauung, die mit dem vorbehaltlosen Bekenntnis zur Nation im Widerspruch steht, (...) als Mangel einer persönlichen Eignung anzusehen sein [würde]“[5]. Die Journalisten mußten also vorbehaltlos die NS-Ideologie vertreten, bei Nichtbeachtung drohten strenge Strafen, da das RMVP auch die Kontrolle über die Berufsgerichtsbarkeit innehatte.

Wichtiger noch war die Wirkung des Schriftleitergesetzes dahingehend, daß es den Verlegern jeglichen Einfluß auf den Inhalt ihrer eigenen Blätter nahm. Der Hauptschriftleiter zeichnete für den Inhalt verantwortlich, und er mußte den Weisungen des Propagandaministeriums zufolge handeln. Der Verleger, seines Einflusses beraubt, sollte auf wirtschaftliche Aufgaben beschränkt bleiben. So senkte sich ein „eiserner Vorhang zwischen Redakteur und Verleger herab“[6] und das RMVP hatte direkte Kontrolle über den Inhalt der Zeitungen.

Das RMVP vermittelte den Journalisten seine Anweisungen auf täglichen Pressekonferenzen, die im Propagandaministerium abgehalten wurden. Hierbei wurden gesonderte Konferenzen für die Inlandspresse und die Korrespondenten der ausländischen Blätter abgehalten. Diese Pressekonferenzen hatte es seit 1919 gegeben, den Vorsitz hatten Journalistenvertreter gehabt, die Reichsregierung war also bei der Presse zu Gast[7]. Nach der Machtergreifung wurden die Konferenzen jedoch unter die Leitung des Propagandaministeriums gestellt, und die teilnehmenden Pressevertreter einzeln ausgewählt.

Wie wurden nun die Anweisungen ausgearbeitet, die auf der Pressekonferenz mitgeteilt wurden?

Morgens gingen zunächst die aktuelle Nachrichten durch die Nachrichtenagenturen wie das DNB (Deutsches Nachrichtenbüro) im RMVP ein und wurden Goebbels vorgelegt. Später, im Krieg, kamen auch die Tagesberichte des Oberkommandos der Wehrmacht zur tatsächlichen militärischen Lage hinzu. Goebbels hielt dann gegen 11 Uhr eine Ministerkonferenz im Propagandaministerium ab. Hier teilte er den Leitern der Presseabteilungen (Inlandspresse, Auslandspresse, Zeitschriftenpresse) seine Vorstellungen mitgeteilt, wie mit den ein-gegangenen Meldungen zu verfahren sei, wobei Goebbels grundsätzlich keine Diskussion über seine Anweisungen zuließ.[8] Allerdings trifft die weitverbreitete Auffassung von der Omnipotenz des Propagandaministers in Pressefragen nicht zu.[9] Seine Gegenspieler war Otto Dietrich, der Reichspressechef. Er war persönlich Hitler unterstellt und konnte aus dieser Machtposition heraus oft seine Anweisungen gegen die von Goebbels durchsetzen. Goebbels konnte Hitler allerdings manchmal im persönlichen Gespräch von seinen eigenen Vorstellungen überzeugen. Nach der Ministerkonferenz teilte Dietrich dem Leiter der Inlandspresseabteilung (1938-42 Hans Fritzsche) seine eigenen Wünsche mit. Diese standen häufig im Widerspruch zu Goebbels Weisungen. Auch die Vertreter der Propagandaabteilung des Auswärtigen Amtes brachten ihre Wünsche ein[10], so daß Fritzsche oft in der schwierigen Lage war, Kompromisse zu finden. Hier spiegeln sich die im ganzen NS-System auftretende Ämtervielfalt und Kompetenzüberschneidungen wider, die das System weit weniger effektiv machten, als es vielleicht den Anschein hat. Im Krieg kam überdies noch die Propagandaabteilung des OKW, die WPr, hinzu.

Auf der Arbeitsbesprechung der Pressereferenten, die sich an die Ministerkonferenz anschloß, mußte nun aus allen Anweisungen ein „Fertigprodukt“ geschaffen werden, welches auf der Pressekonferenz zwischen 12 und 13 Uhr den Journalisten mitgeteilt wurde (ab 1940 wurde zusätzlich die sog. „Tagesparole“ verlesen). Die Tätigkeit der Presse beschränkte sich hierbei aufs Mitschreiben[11], es wurden allenfalls Verständnisfragen gestellt. Die erteilten Informationen wurden in drei Kategorien unterteilt: Mitteilungen, die veröffentlicht werden durften, Mitteilungen die nur zur Information dienten und nicht veröffentlicht werden sollten, und streng vertrauliche Informationen.[12] Zeitungen, die sich nicht an die Anweisungen hielten, wurden in der Regel schwer bestraft, manchmal gab es aber auch Möglichkeiten, die Anweisungen zu unterlaufen. Die „Sprachregelungen“ und Anweisungen der Pressekonferenz in Berlin wurden den lokalen Propagandaämtern per Fernschreiben mitgeteilt, die dann die lokalen Zeitungen unterrichteten. Bei besonderen Ereignissen wurden auch Sonderpressekonferenzen, zumeist in den Nachtstunden, abgehalten.

Ursprünglich hatte die Pressekonferenz der Reichsregierung informierenden Charakter, mit der Zeit beschränkte sie sich aber immer mehr allein auf Anordnungen und Verbote. Die Unterrichtung der Presse wurde vom DNB übernommen, das den Journalisten laufend Nachrichten zukommen ließ, die zum Abdruck freigegeben waren (maßgeblich war aber allein die Pressekonferenz der Reichsregierung). Zusätzlich wurden noch unterschiedlich vertrauliche Meldungen verbreitet, wobei der Grad der Geheimhaltung durch verschiedene Farben gekennzeichnet wurde.

Der freie Journalismus in Deutschland hatte mit diesem System sein Ende gefunden. Die Presse war zur Marionette von Partei und Reichsregierung geworden. Goebbels selbst sagte 1943 in Anspielung auf die Praktiken der Pressekonferenz: „Ein Mann, der noch ein bißchen Ehrgefühl besitzt, wird sich in Zukunft schwer hüten, Journalist zu werden.“[13]

 

 

3.      Die propagandistische Vorbereitung des Polenfeldzugs

 

In den Monaten zwischen Oktober 1938 und September 1939 wurden die oben beschriebenen Vorgehensweisen der Presselenkung zur Vorbereitung des Angriffskrieges gegen Polen genutzt. Im September 1938 hatte bereits eine Propagandakampagne stattgefunden, die der Annexion der sudetendeutschen Gebiete vorausging. Mit Greuelmeldungen über die Ausschreitungen gegen die Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei sollte eine gewaltsame Eroberung dieser Gebiete legitimiert werden. Erst als klar wurde, daß die Propaganda keine Kriegsbegeisterung in der deutschen Bevölkerung entfachen konnte, stimmte Hitler einer Verhandlungslösung in Form der Münchner Konferenz zu. Die Fehler aus dem vorangegangenen Propagandafeldzug sollten beim anstehenden Konflikt mit Polen vermieden werden.[14]

 

 

3.1  Entwicklung Polens vom Verbündeten zum Gegner

 

Hitlers ursprüngliche Konzeption sah vor, mit Polen als Verbündetem, oder eher Vasallenstaat, in seinem geplanten Lebensraumkrieg gegen die Sowjetunion vorzugehen. So wurde schon sehr früh, am 26.1.1934, ein Nichtangriffspakt mit Polen abgeschlossen. Jedoch waren seit dem Versailler Vertrag die abgetretenen deutschen Gebiete, in denen immer noch eine bedeutende deutsche Minderheit lebte, und der Status Danzigs für Spannungen im deutsch-polnischen Verhältnis verantwortlich gewesen. Die Volksstimmung in Deutschland war deshalb seit jeher anti-polnisch gewesen.[15] Als sich die Polen 1936 über die Gleichschaltungsmaßnahmen in Danzig beschwerten, nahm die deutsche Presse dies zum Anlaß, den Völkerbundkommissar in Danzig anzugreifen, die Attacken wurden kurz darauf aber wieder eingestellt. Im Juli 1938 erging die Weisung an die Presse, daß Artikel gegen Polen vorläufig auszusetzen seien.[16] Dies ist dadurch zu erklären, daß sich die deutsche Presse allein auf die Propaganda gegen die Tschechoslowakei konzentrieren sollte. Durch das Wort „vorläufig“ klingt aber auch schon die Aussicht an, daß es bald zu einer publizistischen Konfrontation mit Polen kommen würde.

Auf der Münchner Konferenz am 29.9.1938 unterstützte Polen die deutschen Gebietsforderungen und profitierte von dieser Zusammenarbeit dahingehend, daß es sich das nordtschechische Olsagebiet einverleiben durfte. Am 26.10. überbrachte Reichsaußenminister Ribbentrop der polnischen Regierung die neuen deutschen Forderungen. Diese sahen u.a. vor, daß Polen Danzig an Deutschland zurückgeben sollte, daß eine exterritoriale Autobahn und Eisenbahnstrecke durch den Korridor nach Ostpreußen gebaut werden sollten und daß Polen schließlich dem Antikomintern-Pakt beitreten sollte.

Polen lehnte diese Forderungen jedoch ab, da es darin klar Hitlers Taktik erkannte, Polen zum Satellitenstaat des deutschen Reiches zu machen. Daraufhin durfte die ostdeutsche Presse Meldungen über die schlechte Behandlung der deutschen Minderheit in Polen veröffentlichen[17]. Noch war der Plan, Polen zum Bündnispartner zu machen, nicht aufgegeben, das zeigt auch die Wiederholung der deutschen Forderungen im Januar 1939. Die Presse im Reichsgebiet hielt still, weil Ribbentrop in Polen Verhandlungen über die Minderheitenfrage führte. Diese scheiterten jedoch. Am 15.3. erfolgte die „Zerschlagung der Resttschechei“ und die Schaffung des Protektorats Böhmen und Mähren, womit Hitler den Münchner Vertrag brach. Kurz darauf wurden die deutschen Forderungen noch einmal bekräftigt. Polen war sich seiner Bedrohung bewußt geworden, reagierte am 23.3. mit einer Teilmobilmachung und akzeptierte die englische Garantie, Polen als Staat zu erhalten, am 31.3. Hier setzte nun die endgültige Wende ein. Hitler gab Anweisung, eine militärische Eroberung Polens, den „Fall Weiß“, vorzubereiten und drohte England mit der Aufkündigung des Flottenabkommens. Die Presse wurde jedoch angewiesen, die englische Garantieerklärung nur als kleine Meldung zu bringen. Es wird festgelegt, daß man gegenüber den Engländern „am Feind bleiben“ müsse, gleichzeitig seien alle Themen, die Polen beträfen, „mit absolutem Stillschweigen zu übergehen“.[18] Dies wurde am 28.3. auf der Pressekonferenz damit erklärt, daß sich „Deutschland (...) den Zeitpunkt nicht vom Ausland vorschreiben [ließe], in dem das polnische Problem öffentlich behandelt wird“[19].

Aus Washington kam als Reaktion auf die britische Garantie, die Erklärung, daß die Schuldfrage Deutschlands klargelegt sei, wenn es zum Krieg käme. Die Presse wurde angewiesen, gegen diese Verlautbarung des Weißen Hauses in scharfer Form zu polemisieren.

Die Unterzeichnung des britisch-polnischen Beistandspaktes am 6.4. sollte mit einem Verweis auf die Kriegstreiberei Englands und dem Friedenswillen Deutschlands, den Hitler bekundet hatte, beantwortet werden. In einer vertraulichen Information dazu heißt es, daß man „die Tür gegenüber Polen nicht zuschlagen“ solle[20]. Dies tat Hitler dann selbst in seiner Rede vor dem Reichstag am 28.4. Er kündigte das Flottenabkommen mit England auf und gleichzeitig den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt, mit der Begründung, daß Polen ihn durch sein Bündnis mit England verletzt habe. Er bietet zwar weitere Verhandlungen an, doch macht er am 23.5. in einer Rede vor führenden Militärs seinen Entschluß klar, „bei passender Gelegenheit Polen anzugreifen.“ „Danzig“, so Hitler weiter, sei „nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraums im Osten“.[21]

 

 

3.2  England als Hauptziel der Propaganda – Zurückhaltung gegen Polen

 

In der Sudetenkrise, so glaubte man im Propagandaministerium, habe man durch das frühe Einsetzen der „Greuelpropaganda“ seine Wirkung verfehlt. Dieser Fehler durfte sich nun nicht wiederholen. Groß aufgemachte Attacken gegen Polen in der deutschen Presse ließen dann auch bis etwa Mitte August auf sich warten. In der Zwischenzeit wurde Zurückhaltung gewahrt, um so mehr war England das Hauptziel der deutschen Pressepolemik.

Hatte Hitler lange Zeit versucht, England auf seine Seite zu ziehen, so wandelte sich seine Meinung von einem „mit England“ zu einem „ohne England“[22], bis hin zu Überlegungen, auch gegen England seine Expansionspolitik zu verfolgen. Zwar rechnete Hitler bis zuletzt nicht mit einem Eingreifen Englands, doch wurde es seit Ende 1938 systematisch als Kriegsgegner aufgebaut. Zunächst wurden englische Politiker wie Churchill oder Cooper, die als Gegner von Chamberlains Appeasement-Politik galten, von der deutschen Presse als Kriegshetzer gebrandmarkt. Auch der Antisemitismus wird hier in die Propaganda gemischt: Die Demokratien, wie England, die USA oder Frankreich, werden mit dem „Weltjudentum“ gleichgesetzt, dessen Ziel die Entfesselung des Kriegs sei. Und natürlich wird damit auch gleich noch eine Brücke zum anderen Erzfeind des deutschen Reichs geschlagen – der Sowjetunion mit ihrem „jüdischen Bolschewismus“. So wird also eine weltweite jüdische Verschwörung suggeriert, an deren Spitze England stehen soll.

Ein weiterer Vorwurf war das Lebensraum-Argument. Europa befinde sich zwangsläufig in einer Phase der Neuordnung, in der erstarkende Nationen wie Deutschland und Italien rechtmäßig ihren Lebensraum einforderten. Großbritannien, das um seine Machtposition fürchte, wolle diesen natürlichen Prozeß verhindern und gefährde so den Frieden. Die Verfechter des Status quo wurden somit zu Friedensstörern und die Vertreter einer Expansionspolitik zu Friedenserhaltern erklärt.[23]

England bleibt der Hauptgegner, Polen wird nur als sein Instrument dargestellt. Mit der englischen Garantieerklärung für Polen und andere osteuropäische Staaten tritt nun ein neuer Begriff in die deutsche Propaganda-Terminologie ein: die Einkreisung. England wolle, so wird behauptet, Deutschland durch Bündnisse mit Deutschlands Nachbarn und den anderen Großmächten isolieren und vernichten. Als Beweis wird zum Beispiel die heftige Reaktion Englands auf den Einmarsch in die Tschechei angeführt, die sich daraus erkläre, daß London sein „Flugzeugmutterschiff“ verloren habe. Auch die englisch-französischen Bündnisverhandlungen mit Rußland werden als Beweis angeführt, wobei Rußland später nicht mehr angegriffen wird, da ja Deutschland selbst Bündnisinteressen verfolgt. Schlußendlich sei die USA an der Einkreisung beteiligt, da sie ja wirtschaftliche Interessen an einem Krieg habe und somit an der jüdisch-plutokratisch-bolschewistischen Verschwörung zur Weltherrschaft teilnehme.

So wurden von der Propaganda auch Warnungen gegenüber den englischen „Trabanten“ ausgesprochen, um zu verhindern, daß sie „restlos ins Feindlager“ abschwenkten. Auch sollten so neutrale Staaten von Bündnissen mit England abhalten werden. Innenpolitisches Ziel dieser Einkreisungspropaganda war, ein Gefühl der Bedrohung in der Bevölkerung zu schaffen. Man wollte Erinnerungen an 1914 wecken, wo das erblühende Deutschland angeblich von neidischen Nachbarn überfallen worden sei. Dadurch sollte ein Krieg gerechtfertigt werden (der diesmal natürlich siegreich verlaufen sollte). Gleichzeitig war es auch Ziel der antienglischen Propaganda, Polen zu isolieren und England letztendlich aus dem Krieg herauszuhalten. Dies läßt sich auch daran erkennen, daß man trotz aller Angriffe auf die englische Politik Chamberlain immer noch Rückzugswege offenhalten wollte.

Auch wurde die Propaganda gezielt eingesetzt, um auf die Stimmung in der ausländischen Bevölkerung einzuwirken. So wurde stets die englische Regierung, nicht aber das Volk angegriffen, welches angeblich über den Kriegskurs der Regierung im Unklaren gelassen werde.

 

 

3.3  Zurückhaltung gegen Polen Mai – August 39

 

Hauptforderung der deutschen Propaganda in den folgenden Monaten war die Rückgabe der freien Stadt Danzig. Danzig, so die Propaganda, sei deutsch, dies sei allgemein bekannt, und der Westen werde für Danzig keinen Krieg riskieren. Genau wie Österreich und das Sudetenland wolle auch Danzig „heim ins Reich“. Außerdem werden ab Mai heimlich Waffen nach Danzig geschmuggelt. Die von den Bürgern der Stadt gewählte NS-Regierung übernimmt die Rolle der sudetendeutschen Regierung in der vorangegangenen Kampagne[24]. Um keine Vergleichsmöglichkeiten mit der Sudetenkrise aufkommen zu lassen, wird die deutsche Propaganda gegen Polen bis Anfang August stark gezügelt. Alle antipolnische Propaganda in den Monaten davor nimmt gegenüber der oben beschriebenen antienglischen nur eine untergeordnete Stellung ein.

So wird am 3. Mai in Reaktion auf die Hitler-Rede vor dem Reichstag behauptet, daß der Nichtangriffspakt nicht wegen den deutschen Forderungen nach Danzig, sondern wegen der Verletzung durch Polen aufgekündigt worden sei.

Am 6. Mai wird Kritik am polnischen Außenminister Beck gefordert, der Interesse an einer Neuregelung des Nichtangriffspakts zeigt. Auch soll nun über Ausschreitungen gegen „Volksdeutsche“ im Korridor berichtet werden, allerdings nur sehr klein aufgemacht, wobei der Presse im Osten und in Danzig freiere Hand gelassen wurde. Am 8. wird noch einmal von unverbürgten Greuelmeldungen abgeraten, denn es soll nicht der Eindruck erweckt werden, daß man vor großen Ereignissen stehe.[25] Dies verdeutlicht, daß die Taktik der Sudetenkrise, die maßlose Übertreibung oder gar Erfindung von Greueltaten, erst für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen ist. Polen soll zum Feindbild aufgebaut werden, aber langsam. So werden auch Meldungen über weitere Zwischenfälle Ende Mai und Anfang Juni klein gehalten. Gegner ist England, gegen Chamberlains Äußerungen zum deutsch-polnischen Verhältnis soll polemisiert werden (11.5.), ebenso gegen das „Friedensangebot“ von Chamberlain und Halifax. Das Scheitern der britisch-französisch-russischen Verhandlungen sollte, so die Anweisung vom 23.6., groß aufgemacht und glossiert werden. Berichte über die deutsch-russischen Annäherungen und die anschließenden Wirtschaftsverhandlungen sollten demgegenüber unter keinen Umständen erscheinen (Pressekonferenzen vom 12. und 26. 5.). Dies wurde damit begründet, daß man die Unruhe im Westen über das deutsch-russische Verhältnis erhalten wolle. 

In Bezug auf die Meldungen über Zwischenfälle in Polen wurde 23.Juni. weiterhin darauf hingewiesen, daß „die Sache leicht am Kochen gehalten werden muß.“[26] Es wurde also wiederum Zurückhaltung angemahnt, es durften aber auch keinerlei Meldungen über polnische Verhandlungsangebote gebracht werden, um Polen später zweifelsfrei die Rolle eines Kriegstreibers zuschreiben zu können. Es war immer ein taktischer Wechsel zwischen den Gegnern Polen und England möglich. Das Bindeglied war die Behauptung, daß Polens Kriegswille durch England geschürt werde.

Im Unterschied zur Sudetenkrise wurde nun auch ein neues Mittel angewandt. Die polnische (und englische) Presse wurde systematisch nach propagandistisch verwertbarem Material durchkämmt. Allzu chauvinistische Äußerungen der polnischen Presse spielten der deutschen Propaganda hier in die Hände, nutzte man sie doch, um zu behaupten, daß Polen einen Angriffskrieg gegen Deutschland plane und alle Maßnahmen des Reichs rein defensiven Charakter hätten. So wurde angewiesen, am 30.6. die polnische Forderung nach Vergrößerung des polnischen Besitzes am Meer groß aufzumachen und auch am 3.7. wurde von der Presse eine scharfe Polemik gegen die polnischen Expansionsabsichten gefordert. Die Meldungen vom 30.6. über deutsche Truppenbewegungen und die Urlaubssperre in der Wehrmacht und vom 4.7. über deutsche Manöver an der Grenze zu Polen (hiermit sollte der Aufmarsch getarnt werden) wurden dagegen als streng vertraulich eingestuft.

Am 6.7. sollte dann wieder die englische Presse kritisiert werden, wobei Meldungen über die Aufrüstung Danzigs dementiert zu werden hatten (die Aufrüstung wurde am 24. Juli vertraulich zugegeben). Es trat eine kurze Pause in der Auseinandersetzung mit der britischen Presse ein.[27] Am 11. Juli sollte Chamberlains Befürwortung des Versailler Vertrags mit älteren britischen Stimmen kontrastiert werden, die die Rückgabe Danzigs unterstützten. Bezeichnend für die flexible Nachrichtenpolitik ist eine Anweisung vom nächsten Tag: Eine Aussage der Times, Danzig könne kein Grund für einen Krieg sein, sollte zurückgehalten werden, da sie „viel zu früh“ käme. Am 19. Juli lautete die Anweisung, gegen die Rede Roosevelts zu polemisieren, in der er Hitler Kriegswillen unterstellt. Das amerikanische Volk sollte jedoch nicht angegriffen werden. Am 24.7. läßt Zarske, der Pressechef des Danziger Gauleiters Forster, vertraulich verlauten, daß die „kleine Lösung“, also nur die Rückgabe von Danzig, überholt sei. „Termin und Prozedur liegen beim Reich.“[28] Der Kriegswille Hitlers liegt hier klar zutage. Am 26. Juli wird eine größere Aufmachung der polnischen „Greuelberichte“ gefordert, allerdings immer noch auf der zweiten Seite. Langsam wurde also die Hetze gegen Polen gesteigert. Am 7. August wurde verfügt, die Androhung einer Bombardierung Danzigs durch eine polnische Zeitung groß aufzumachen, und auch in den folgenden Tagen hielten polnische Presseberichte her, um die aggressiven Absichten der Polen zu unterstreichen.

 

 

3.4  Endphase der Greuel-Propaganda bis zum 1. September und darüber hinaus

 

„Verbürgte Greuelmeldungen, wie sie über DNB erscheinen, müssen von heute ab groß auf der ersten Seite erscheinen. Vor unverbürgten Greueln kleinerer Blätter soll man sich hüten. Besonders geeignet die über DNB gemeldeten Schüsse auf 15-16-jährige Kinder.“[29] Mit dieser Presseanweisung vom 10.8. endete die Zurückhaltung, die in den vorangegangenen Monaten gegenüber Polen in der deutschen Presse geübt worden war. Nach dem Muster der Sudetenkrise wurden nun Greuelmeldungen in nie gekanntem Maße gegenüber der deutschen Minderheit in Polen veröffentlicht. Wie Sundermann feststellt, wird in dieser Weisung nun erstmals klar deutlich, daß sich ein politisches Spiel mit Zielen und Absichten entfaltete.[30] Auf Pressestimmen aus dem Ausland, die fragten, warum nun so plötzlich so viele Greuelmeldungen vorlagen und die Ähnlichkeit mit der Sudetenkrise feststellten, ließ das RMVP verbreiten, daß man sich früher im Interesse einer Verhandlungslösung mit den Meldungen bewußt zurückgehalten habe. Die Ähnlichkeit rühre daher, „daß in beiden Fällen die schlechtesten Elemente jener beiden Völker durch die britische Politik der Versprechungen und Aufreizung zu den gleichen Schandtaten verführt worden sind.“[31]

Die Nachrichten, die teils übertrieben, teils aber auch erfunden waren, wie informierte Diplomaten berichteten, sollten in knappem, meldungsartigen Charakter aufgeführt werden, um Authentizität zu suggerieren. Zunächst durften die Meldungen maximal zweispaltig aufgemacht werden, damit noch eine Steigerung möglich sei. Erst ab dem 25.8. wurde eine größtmögliche Aufmachung angeordnet.

Zwei Ereignisse wurden zunächst besonders herausgestellt: Die Greuel in Oberschlesien[32], ebenso wie die Flüchtlinge aus dem Korridor, die angeblich vor diesen polnischen Greueln flohen, in Wahrheit aber auch aus Kriegsfurcht. Das RMVP sammelte die Aussagen von 700 Flüchtlingen und ließ die geeigneten der Presse zukommen, die sie nach Bedarf einsetzen sollte. Eigene Interviews sollten von den Zeitungen nach Möglichkeit nicht geführt werden. Um glaubwürdiger zu wirken, wurde später auch von Greueltaten gegen Ukrainer, Tschechen oder Slowaken berichtet.

Ziel der teilweise mit erschreckend blutrünstigen Beschreibungen aufwartenden Propaganda war durch die Solidarisierung mit Danzig und den Volksdeutschen in Polen eine emotionale Mobilisierung der deutschen Bevölkerung zur Erzeugung eines starken Kriegswillens und eine Isolation Polens im Ausland. Dies erkannte der französische Geschäftsträger in Berlin, Saint-Hardouin: „Der augenblickliche Hetzfeldzug in Deutschland kann mehrere Ziele verfolgen: entweder dasjenige, die Gemüter auf die Aussicht eines Krieges vorzubereiten, der weit davon entfernt ist, das deutsche Volk in seiner Gesamtheit mit Begeisterung zu erfüllen; (...) oder aber, die Polen einzuschüchtern und die Westmächte zu bluffen, in der Hoffnung, Polen entweder kompromißbereit zu machen, oder es zu isolieren.“[33]

Am 10.8. wurde weiterhin gefordert, abgesehen von den Greuelberichten auch weiterhin polnische Pressemeldungen a la „Deutschland muß zerstört werden“ groß aufzumachen und zu verurteilen. Am 17. und 18. sollte auf die neuen Verhaftungen und Greuel in Ostoberschlesien eingegangen werden und überdies dargestellt werden, daß es Polen sei, das Krieg und Frieden in der Hand halte. Deutschland habe keinerlei Schuld, sollte es zum Krieg kommen. Die Greuel in Schlesien sollten „dem Wojwoden Graczinski“ angelastet werden. Hier finden wir eine effektive Nazi-Propagandataktik wieder: Die Konzentration auf einen Einzelgegner. Man konzentrierte seine Angriffe stets nur auf ein Land zur selben Zeit, sei es nun die Tschechoslowakei, Polen oder England. Einzelne bekannte und führende Persönlichkeiten im feindlichen Lager werden als Repräsentanten, als Verkörperung des Feindes, herausgehoben, maßlos diffamiert und unflätig beschimpft (z.B. auch Churchill, Roosevelt).[34]

In der sich zuspitzenden Lage wurde deutlich verlangt, keine Termine für irgendeine anstehende Aktion anzudeuten, z.B. „es ist fünf vor zwölf“. Man wollte Deutschlands Gegner  im Unklaren lassen. Friedensinitiativen des Westens sollten abgelehnt werden, Deutschlands Forderungen seien berechtigt, Kompromißlösungen auf einer möglichen europäischen Konferenz unannehmbar. Hitler selbst drückte seine Ablehnung eines zweiten Münchens vor Offizieren der Wehrmacht aus; er habe Angst, daß ihm noch im letzten Moment „irgendein Schweinehund einen Vermittlungsvorschlag“ vorlegen könnte.[35]

Am 20.8. wurde das deutsch-russische Wirtschaftsabkommen verabschiedet, wobei über die vorangegangenen Verhandlungen nicht hatte berichtet werden dürfen. Die Presse sollte hier nur auf wirtschaftliche Aspekte eingehen und es nicht als Vorbote einer weitergehenden Verbindung mit der Sowjetunion darstellen. Polen sollte Aufmacher bleiben.

Am 22.8. wurde dann der deutsch-russische Nichtangriffspakt verabschiedet, was die Propaganda vor große Probleme stellte, mußte sie nun doch den einstigen Todfeind plötzlich als Verbündeten darstellen. Es sollte berichtet werden, daß sich Deutschland und Rußland „wiedergefunden“ hätten und eine historische Wende der deutschen Außenpolitik dargelegt werden. Auf die ideologischen Gegensätze zwischen dem NS-Staat und dem kommunistischen Sowjetreich durfte man nicht eingehen und überdies mußten Berichte über Zwischenfälle in Polen Hauptaufmacher bleiben. Bezeichnenderweise erging auch die Anordnung, in Artikeln nicht zu untersuchen, welche Folgen eine deutsch-russische Zusammenarbeit früher für Polen gehabt habe.[36] Am 24. hieß es allerdings, daß, jetzt durchaus angedeutet werden könne, daß Deutschland und Rußland ihre Raumprobleme in Osteuropa nun unter sich lösen könnten.

Ein Bericht des Daily Express über eine Geheimklausel(!) im Vertrag sollte in der Auslandspresse dementiert werden.

In den folgenden Tagen sollte wieder über die Vorbereitung von Offensivmaßnahmen der Polen (u.a. den Beschuß deutscher Flugzeuge) berichtet werden, die Provokationen der polnischen Presse, die Abschnürung Danzigs und die „üblichen“ Greuel sollten ebenso propagandistisch ausgeschlachtet werden. Am 25. wurde vertraulich mitgeteilt, daß der NSDAP-Parteitag wohl verschoben werde.

Am 26. August wurden im Zuge der Kriegsvorbereitungen Bezugscheine für Lebensmittel ausgegeben. Der deutschen Bevölkerung sollte jedoch versichert werden, daß Deutschlands Versorgungslage ausgezeichnet sei. Die Menschen sollten auf den Führer eingeschworen werden, Vertrauen in die Richtigkeit seiner Entscheidungen sollte gefordert werden.

Hier tritt nun eine Phase ein, in der der Presse wieder die Rolle eines „Begleitorchesters“ zukommt, hatte sie doch vorher die Ereignisse durch ihre Greuelpropaganda selbst vorangetrieben. Vor allem die Angriffe gegen England sollten wieder zurückgefahren werden, da Hitler nun im letzten Moment noch Verhandlungen mit den Westmächten führte und diese nicht gestört werden durften. Territoriale Forderungen sollten unter keinen Umständen von der Presse gestellt werden, um sich bei den Verhandlungen nicht festlegen zu müssen. Hitler versuchte wohl, England doch noch auf seine Seite zu ziehen, nahm deswegen den eigentlich für den 26. gegebenen Angriffsbefehl wieder zurück. Dies schien auch durch Italiens Weigerung, an einem Krieg aktiv teilzunehmen und den polnisch-englischen Beistandspakt beeinflußt worden sein.

Über die westlichen Friedensbemühungen, Mussolinis Friedensplan und die Verhandlungen durfte jedoch zunächst nicht berichtet werden. Allein der Briefwechsel Hitlers mit dem französischen Ministerpräsidenten Daladier wurde am 29.8. veröffentlicht, er diente dazu, die deutschen Mindestforderungen der Öffentlichkeit noch einmal deutlich darzulegen, wer diese nicht akzeptiere, so hieß es, wolle den Krieg. Es wurde befohlen, die Greuelmeldungen aus Polen unvermindert weiter groß aufzumachen. Der fragwürdige Wahrheitsgehalt dieser Berichte wird auf der Pressekonferenz vom 29. deutlich: Es sei „gleichgültig, was von diesen Meldungen geglaubt wird oder nicht“.[37]

Die Zurückhaltung gegen England ging weiter. Die polnische Generalmobilmachung, so wurde am 30. gefordert, sollte als Torpedierung der englischen Friedensbemühungen bedauert werden. Die Mobilmachung hatte groß aufgemacht zu werden, als Polens „letzten Schritt“ zum Krieg dargestellt werden. Der Einmarsch deutscher Truppen in die Slowakei habe dagegen rein defensiven Charakter.

Am nächsten Tag änderte sich die Linie jedoch wieder: Polens Kriegswille sei nur durch die Ausstellung des „Blankoschecks“ des englischen Garantieversprechens geweckt worden.[38]

Auch sollte nun Deutschlands Friedensbereitschaft herausgestellt werden. Da man ja jetzt nicht mehr beim Wort genommen werden konnte, sollte auf die Ablehnung von Hitlers „großzügigem“ Friedensvorschlag durch Polen eingegangen werden (die in Wahrheit gar nicht erfolgt war, da der Vorschlag Polen erst viel zu spät zugestellt wurde). Polen warte nur noch auf eine Gelegenheit zum Losschlagen.

Um 19 Uhr am 31. August wurde eine Sonderpressekonferenz anberaumt, auf der verfügt wurde, daß sich alle Zeitungen zur Ausgabe von Extrablättern bereithalten sollten.

Die deutsche Bevölkerung erfuhr von den Ereignissen nicht aus der Presse, sondern aus dem Rundfunk: Um 10 Uhr am 1. September 1939 verkündete Hitler vor dem Reichstag: „Polen hat uns heute nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch bereits durch reguläre Soldaten beschossen[39]. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!“[40]

Die deutschen Zeitungen wurden angewiesen, keinesfalls das Wort „Krieg“ in den Schlagzeilen zu verwenden. Der Krieg gegen Polen sollte lediglich als Polizeiaktion dargestellt werden. Am folgenden Tag mußte Zurückhaltung gegenüber England und den USA geübt werden, als am 3.9. dann aber die englische und die französische Kriegserklärung in Berlin eingingen, sollte England in der Presse ganz klar die Schuld am Krieg zugeschrieben werden.[41] Englands Ultimatum wäre gerade gekommen, als Mussolinis Friedensplan Aussicht auf Erfolg gehabt hätte (der von Hitler selbst abgelehnt worden war).

Für militärische Nachrichten wird seit Kriegsbeginn eine strenge Zensur von Seiten des OKW eingeführt. Auch wird es den Deutschen bei Strafe verboten, ausländische Rundfunksender zu hören, das deutsche Reich wird so immer mehr nach außen abgeschottet, um die Propaganda im Krieg nicht durch gegenteilige Meldungen von außen unwirksam zu machen.[42]

Die Greuelberichte aus Polen wurden auch nach Beginn der Feindseligkeiten fortgeführt. So wurde vor allem der „Bromberger Blutsonntag“ als Aufmacher für verstärkte Greuelpropaganda genutzt. Der NS-Propagandist Schadewaldt befaßt sich ausführlich mit diesem Ereignis und führt angeblich urkundliches Beweismaterial und Zeugenaussagen an, um seine obskuren Behauptungen zu untermauern.[43] Es handelt sich hierbei um besonders drastische Darstellungen der Morde, Verschleppungen, blutigen Verstümmelungen, etc., die „bunte Mörderhorden“ an den Volksdeutschen verübt hätten. Diese seien zu ihren Bluttaten von der Kirche angestiftet und vom Staat mit Waffen ausgerüstet worden. Schadewaldt versteigt sich sogar zu der Behauptung, dieser Völkermord nehme im 20. Jahrhundert eine Sonderstellung ein(!) und macht vor allem den im polnischen Nationalcharakter ausgeprägten Hang zur Grausamkeit und die minderwertige Untermenschenrolle der Polen für die Greuel verantwortlich, eine Behauptung, die oft (wenn auch schwächer) von der deutschen Propaganda vertreten wurde. Schadewaldts Ausführungen können wohl in keinster Weise ernstgenommen werden, sein Buch ist jedoch ein interessantes historisches Dokument.

 

Zur Verdeutlichung, wie sich das System der Presselenkung lokal auswirkte, seien noch einige Schlagzeilen des Bonner Generalanzeigers zitiert:

„Polen droht mit Beschuß Danzigs“ (8.8.), „Polen will Danzig oder Krieg“ (9.8.), „Feldzug gegen das Deutschtum“ (11.8.), „Polnische Terrorwelle über Ostoberschlesien“ (17.8.), „Flüchtlingsstrom ins Reich“ (18.8.), „Flüchtlinge klagen an“ (19.8.), Überstürzte Mobilmachung in Polen – vor einem Handstreich“ (25.8.), „Wieder drei deutsche Verkehrsflugzeuge beschossen“ (26.8.), „Brandstiftung der polnischen Banden“ (28.8.), „Polen plant Panzervorstoß auf Danzig – neue polnische Gewalttaten“ (30.8.), „Neue Verhaftungen und Mißhandlungen“ (31.8.), „Polen lehnt deutsche Verhandlungsvorschläge ab“ (1.9.). Zum „Bromberger Blutsonntag“ wurde am 8.9. unter der Überschrift „Scheußliche polnische Verbrechen in Bromberg – Volksdeutsche wurden hingeschlachtet, Opfer in jedem zweiten Haus“ berichtet: „Der Haß der Polen gegen alles Volksdeutsche hat reiche Ernte gehalten.“ An den folgenden Tagen wurden Augenzeugenberichte veröffentlicht.[44]

 

 

3.5  Der Sender Gleiwitz

 

„Ich werde propagandistischen Anlaß zur Auslösung des Krieges geben, gleichgültig, ob glaubhaft. Der Sieger wird später nicht danach gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hat, oder nicht.“[45] Dies verkündete Hitler am 22.8.1939 vor höheren Offizieren der Wehrmacht. Der Anlaß, den er anspricht, ist der Überfall auf den Sender Gleiwitz am abend des 31. August. Zwar hat dieser Vorfall den Lauf des Geschehens nicht beeinflußt, die Westmächte nicht von einer Schuld Polens am Kriegsausbruch überzeugen können und ist eher als Episode am Rande des Geschehens einzuordnen, doch läßt sich an diesem Beispiel sehr gut die Vorgehensweise der Nationalsozialisten zur Schaffung propagandistisch nutzbarer „Zwischenfälle“ ablesen. Deshalb lohnt eine kurze Betrachtung der Vorgänge.

Laut offizieller Darstellung und Zeugenberichten betraten gegen 20 Uhr fünf bewaffnete Männer in Zivil den Senderaum des Reichssenders Gleiwitz. Das Personal wurde gefesselt und die Eindringlinge verlasen einen Aufruf über das Radio, in dem es in deutscher und polnischer Sprache hieß, der Sender befinde sich in polnischer Hand. Die Männer wurden kurz darauf vom Betriebsleiter des Senders überrascht, der sofort das Überfallkommando der Polizei verständigte. In ihrer eiligen Flucht „vergaßen“ die Eindringlinge einen Posten, der im Keller die Betriebsangehörigen bewachen sollte. Ein SD-Mann (Sicherheitsdienst der SS) kam zufällig vorbei, bemerkte die Vorgänge und erschoß den Zurückgelassenen. Die anderen Eindringlinge wurden laut dem „Völkischen Beobachter“ bald darauf gefangengenommen.

An der Geschichte fallen einige Unstimmigkeiten auf. Zunächst ist es merkwürdig, daß eine polnische Kommandotruppe über die zu dieser Zeit stark bewachte Grenze gelangen konnte. Verwunderlich ist auch, daß die Männer so einfach ihren Aufruf über die laut Aussage des Telegrafentechnikers nur von speziell geschulten Technikern bedienbare Rundfunkrelaisstation verlesen konnten. Der zufällig vorbeikommende SD-Mann ist ein weiteres Rätsel, genau wie die Tatsache, daß die Sicherheitspolizei, die den Sender bewachen sollte, die Eindringlinge gar nicht bemerkt hatte.

Licht ins Dunkel bringt die Aussage des SS-Sturmbannführers Alfred Naujocks. Er sei mit seinen Leuten bereits am 10. August nach Gleiwitz gekommen, auf direkte Anordnung des Chefs des Reichssicherheitshauptamts, Heydrich. Naujocks und seine Gruppe hatten den Befehl, den Überfall auf den Sender durchzuführen. Den Überfall beschreibt er wie folgt: „Wir nahmen die Radiostation wie befohlen, hielten eine drei oder vier Minuten lange Rede über einen Notsender, schossen einige Pistolenschüsse ab und verließen den Platz.“

Nun klären sich die Vorgänge. Ein einziges Mitglied des Senderpersonals, der Telegrafeninspektor Nawroth, gehörte ebenfalls der SS an, er hat wahrscheinlich die Sendung des Aufrufs der Eindringlinge ermöglicht. Der Mann im Keller wurde bewußt zurückgelassen, um später einen Täter vorweisen zu können (er wußte von seinem Schicksal selbst höchstwahrscheinlich nichts). Der SD-Mann kam genau zum richtigen Zeitpunkt vorbei und griff ein. Der Sender wurde zu diesem Zeitpunkt auch nicht, wie eigentlich üblich, von der Sicherheitspolizei bewacht, diese war laut Zeugenaussagen kurz vor dem Überfall von der SS-Verfügungstruppe abgelöst worden. Auch nach dem Überfall wurde nichts dem Zufall überlassen. Der Schauplatz wurde von der schnell zur Stelle gewesenen Gestapo abgeriegelt, dem Überfallkommando der örtlichen Polizei, das kurze Zeit später eintraf, wurde der Zutritt verwehrt.

Der SD hat wohl noch weitere Aktionen im Grenzgebiet inszeniert, die später Polen zugeschrieben wurden. Darauf deutet z.B. die Beschaffung von 150 polnischen Militäruniformen Mitte August durch die deutsche Abwehr im Auftrag der SS hin.

 

 

4.      Kriegsbegeisterung in Deutschland?

 

Konnte die teils durch ihre Raffinesse, teils durch ihren massiven Einsatz beeindruckende Propaganda nun, wie oben beschrieben, ihr Ziel erreichen, und die deutsche Bevölkerung in einen nationalen Kriegsrausch versetzen, wie er im August 1914 herrschte? Das Gegenteil scheint der Fall.

Die Stimmung zu Beginn des Krieges war eher resignativ und bedrückt. Die Erfahrungen des ersten Weltkriegs, die Nachkriegskrise und das scheinbar unaufhaltsame Zutreiben auf einen neuen Krieg hatten diese Einstellungsänderung in der Bevölkerung bewirkt. Die Annexion Österreichs und der Tschechei ließen die Kriegsfurcht wachsen.[46] Die Greuelberichte über die polnischen Ausschreitungen taten zwar ihre Wirkung, aber ein Krieg nur wegen Danzig schien den meisten nicht nachvollziehbar. Gegenüber den NS-inszenierten Jubelfeiern wurde daher Passivität, ja sogar Ablehnung, zum Ausdruck gebracht. Die allgemeine Stimmung wurde als „widerwillige Loyalität“ beschrieben[47]. Der aufschlußreichste Bericht über die Haltung der Deutschen zum Krieg wurde aber am 5.9.1939 vom SD ans RSHA gegeben. Hier heißt es: „Trotz des Kriegszustandes mit England und Frankreich war die Stimmung zunächst zuversichtlich, aber ernst. Der Vorstoß nach Polen und die deutschen Erfolge wurden überwiegend gut beurteilt. Allerdings werden gelegentlich Stimmen laut, die in mehr oder weniger heftiger Weise gegen die Politik des Führers Stellung nehmen.“[48]

Hier wird also die starke Diskrepanz zwischen der vom RMVP erwünschten Kriegsbegeisterung und Führervertrauen und der tatsächlichen Lage deutlich. Zum Abbau der Kriegsfurcht war vor Kriegsausbruch sogar eine „Unbesiegbarkeitspropaganda“ geführt worden, in der die Stärke des Westwalls und die Überlegenheit der deutschen Rüstung herausgestellt wurden.

Die euphemistisch dargestellte „ruhige und eiserne Entschlossenheit“ wurde von der Propaganda sogar noch als ein Beweis für den Kriegswillen der Deutschen umgemünzt: Das deutsche Volk brauche seine innere Geschlossenheit in kritischer Stunde nicht erst zu dokumentieren.[49]

Der Gauleiter von Schwaben, Karl Wahl, bringt es auf den Punkt: „Nichts von alledem, was ich 1914 (...) erlebte, habe ich auf dieser Reise feststellen können: Keine Begeisterung keine Freude, kein Jubel. Das ganze deutsche Volk schien von einem lähmenden Entsetzen gepackt zu sein, das es weder zu Beifalls- noch zu Mißfallensäußerungen befähigte.“[50]

Die aufwendige sechsjährige Propaganda, die die Deutschen auf den Führer und den Lebensraumkrieg einschwören sollte, konnte die in sie gesetzten Erwartungen in ihrer wichtigsten Bewährungsprobe demnach nicht erfüllen.

Im Krieg waren die Propagandathemen andere: Zunächst die Blitzkriege, dann der Rußlandfeldzug. Als sich das Glück gegen Deutschland wandte, wurde zum Durchhalten aufgerufen, zum totalen Krieg. Schließlich blieben nur noch Versprechungen von Vergeltung und Wunderwaffen.[51]

 

 

5.      Fazit

 

In der vorliegenden Hausarbeit wurde die Vorgehensweise der NS-Propaganda bei der Vorbereitung des Angriffskriegs gegen Polen untersucht. Nach allgemeinen Betrachtungen über die Etablierung des Systems der Presselenkung durch die Gründung des RMVP, durch Pressekonferenzen und das Schriftleitergesetz, wurden im Hauptteil die konkreten Anweisungen für das Vorgehen gegen Polen dargestellt. Es wurde der Einstellungswandel Hitlers gegenüber Polen verdeutlicht, als dieses sich nicht zum Vasallenstaat degradieren lassen wollte. Desweiteren wurde festgestellt, daß England stets Hauptziel der deutschen Propaganda war und der Tonfall gegenüber Polen eher gemäßigt war. England habe Polen durch seine Garantie zum Krieg aufgestachelt, hieß es, außerdem wurde ihm eine Einkreisungsstrategie unterstellt.

Dies änderte sich erst Anfang/Mitte August 1939. Angebliche polnische Greueltaten und Kriegsvorbereitungen wurden nun groß aufgemacht und langsam gesteigert, um Haß gegen Polen in der deutschen Bevölkerung zu schüren. Die SS inszenierte sogar selbst noch Zwischenfälle, wie z.B. den Gleiwitz-Überfall.

Schließlich führten alle Pressebefehle mit ihren hohlen Formulierungen, alle Polemik nicht zum Ziel: Eine Kriegsbegeisterung konnte in der deutschen Bevölkerung nicht erzeugt werden. Die Stimmung nach dem Einmarsch der Wehrmacht war nicht enthusiastisch, sondern „ernst und gefaßt.“

So effektiv wie weithin angenommen war die Propaganda auch später nicht. Obwohl Goebbels noch am 9. März 1945 in sein Tagebuch notierte, Hitler habe ihm versichert „die deutsche Kriegspropaganda sei ein Meisterstück von vorn bis hinten“[52], so konnte sie den Verlauf des Krieges doch nicht entscheidend beeinflussen. Ihre einzige Leistung war, ihn durch die Durchhaltepropaganda zu verlängern und die Leiden der Deutschen und ihrer Gegner noch zu vergrößern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6.      Literaturangaben

 

Abel, Karl-Dietrich: Presselenkung im NS-Staat – eine Studie zur Geschichte der Publizistik in der nationalsozialistischen Zeit, Berlin 1968

 

Balfour, Michael: Propaganda in War: Organizations, Policies and Publics in Great Britain and Germany, London 1979

 

Bonner Generalanzeiger Juni-September 1939

 

Bohse, Jörg: Inszenierte Kriegsbegeisterung und ohnmächtiger Friedenswille – Meinungslenkung und Propaganda im Nationalsozialismus, Stuttgart 1988

 

Diesener, Gerald/Gries, Rainer (Hg.): Propaganda in Deutschland. Zur Geschichte der politischen Massenbeeinflussung im 20. Jahrhundert, Darmstadt 1996

 

Hagemann, Jürgen: Die Presselenkung im Dritten Reich, Bonn 1970

 

Hagemann, Walter: Publizistik im Dritten Reich, Hamburg 1948

 

Hale, Oron J.: Presse in der Zwangsjacke 1933-45, Düsseldorf 1965

 

Hofer, Walter (Hg.): Die Entfesselung des zweiten Weltkriegs – eine Studie über internationale Beziehungen im Sommer 1939, Stuttgart 1954

 

Recker, Marie-Luise: Die Außenpolitik des Dritten Reiches, München 1990

 

Runzheimer, Jürgen: Der Überfall auf den Sender Gleiwitz im Jahre 1939, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte X/1962

 

Sänger, Fritz: Politik der Täuschungen – Mißbrauch der Presse im Dritten Reich, Weisungen, Informationen, Notizen 1933-39, Wien 1975

 

Schadewaldt, Hans: Die polnischen Greueltaten an den Volksdeutschen in Polen, Berlin 1940

 

Sundermann, Helmut: Tagesparolen – Deutsche Presseanweisungen 1939-45, Freising 1973

 

Sywottek, Jutta: Mobilmachung für den totalen Krieg – die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den zweiten Weltkrieg, Opladen 1976

 

Walther, Simone: Faschistische Pressepropaganda und Bevölkerungsstimmung in Berlin während der ersten Phase des zweiten Weltkriegs (1939-41) – untersucht an ausgewählten Fallstudien, diss., Berlin (Ost) 1984

 

Welch, David: The Third Reich – Politics and Propaganda, London 1993

 

Wilke, Jürgen (Hg.): Pressepolitik und Propaganda. Historische Studien vom Vormärz bis zum Kalten Krieg, Köln 1997

 

Wollstein, Günther: Die Politik des nationalsozialistischen Deutschlands  gegenüber Polen 1933-39/45, in: M. Funke (Hrsg.) Hitler, Deutschland und die Mächte – Material zur Außenpolitik des Dritten Reichs, Düsseldorf 1976

 



[1] nach Hale, Oron J.: Presse in der Zwangsjacke 1933-45, Düsseldorf 1965, S.83

[2] ebd., S.85

[3] Vgl. Hale, Oron J., a.a.O. S.90

[4] ebd., S.90

[5] nach Abel, Karl-Dietrich: Presselenkung im NS-Staat – eine Studie zur Geschichte der Publizistik in der nationalsozialistischen Zeit, Berlin 1968, S.31

[6] Hale, Oron J., a.a.O.

[7] Hagemann, Walter: Publizistik im Dritten Reich, Hamburg 1948, S.316

[8] Vgl. Abel, Karl-Dietrich, a.a.O., S.41

[9] ebd., S.41

[10] in seiner Pressepolitik versuchte das Auswärtige Amt oft eine unabhängige Linie zu verfolgen. So wurden ab 1938 im AA für die Auslanspresse zusätzliche Konferenzen zu denen im RMVP durchgeführt.

[11] Hagemann, Walter, a.a.O., S.317

[12] vgl. Abel, Karl-Dietrich, a.a.O., S.45

[13] nach Hagemann, Walter, a.a.O., S.328

[14] Die zitierten Presseanweisungen sind von Redakteuren der Frankfurter Zeitung bei den Pressekonferenzen aufgezeichnet worden und sind der Nachwelt erhalten geblieben, obwohl die Journalisten strikte Anweisung hatten, alle Presseanweisungen nach einem kurzen Zeitraum zu vernichten. Die Anweisungen werden hauptsächlich nach Hagemann, Walter, zitiert.

[15] vgl. Hagemann, Walter, a.a.O., S.389

[16] vgl. Sänger, Fritz: Politik der Täuschungen – Mißbrauch der Presse im Dritten Reich, Weisungen, Informationen, Notizen 1933-39, Wien 1975, S.369

[17] vgl. Sywottek, Jutta: Mobilmachung für den totalen Krieg – die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den zweiten Weltkrieg, Opladen 1976, S.211

[18] nach Hagemann, Walter, a.a.O., S.391

[19] nach Sywottek, Jutta, a.a.O., S.212

[20] ebd., S.212

[21] ebd., S.213

[22] vgl. Recker, Marie-Luise: Die Außenpolitik des Dritten Reiches, München 1990, S.17

[23] Sywottek, Jutta, a.a.O. S.197

[24] vgl. Hagemann, Walter, a.a.O., S.411

[25] ebd., S.394

[26] nach Sänger, Fritz, a.a.O., S.378

[27] vgl. Sundermann, Helmut: Tagesparolen – Deutsche Presseanweisungen 1939-45, Freising 1973, S.19

[28] nach Hagemann, Walter, a.a.O., S.400

[29] ebd., S.402

[30] Sundermann, Helmut, a.a.O., S.23

[31] nach Sywottek, Jutta, a.a.O., S.224

[32] diese Berichte fußten oft auf dem Vorgehen der polnischen Behörden gegen die Deutschen. Dieses war teils von den Aktivitäten der „jungdeutschen Partei“ selbst provoziert worden.

[33] nach Sywottek, Jutta, a.a.O., S.220

[34] Hagemann, Jürgen: Die Presselenkung im Dritten Reich, Bonn 1970, S.181

[35] nach Sywottek, Jutta, a.a.O., S.229

[36] Hagemann, Walter, a.a.O., S.406

[37] ebd., S.409

[38] vgl. Sundermann, Helmut, a.a.O., S.39

[39] Hitler spielt hier u.a. auf den angeblichen Überfall auf den Sender Gleiwitz an; näheres im folgenden Abschnitt.

[40] nach Sänger, Fritz, a.a.O., S.391

[41] Im Dritten Reich wurde demnach auch immer der 3.9. als Tag des Kriegsbeginns bezeichnet, da England da den Krieg erst begonnen hätte.

[42] Vgl. Goebbels „Außerordentliche Rundfunkmaßnahmen“ 1939-1942, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte XI/1963

[43] Schadewaldt, Hans: Die polnischen Greueltaten an den Volksdeutschen in Polen, Berlin 1940

[44] Bonner Generalanzeiger Juni-September 1939

[45] hier, wie auch im folgenden, nach Runzheimer, Jürgen: Der Überfall auf den Sender Gleiwitz im Jahre 1939, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte X/1962, S.410

[46] vgl. Bohse, Jörg: Inszenierte Kriegsbegeisterung und ohnmächtiger Friedenswille – Meinungslenkung und Propaganda im Nationalsozialismus, Stuttgart 1988, S.28

[47] nach Balfour, Michael: Propaganda in War: Organizations, Policies and Publics in Great Britain and Germany, London 1979, S.148

[48] nach Walther, Simone: Faschistische Pressepropaganda und Bevölkerungsstimmung in Berlin während der ersten Phase des zweiten Weltkriegs (1939-41) – untersucht an ausgewählten Fallstudien, diss., Berlin (Ost) 1984, S.32

[49] vgl. Sywottek, Jutta, a.a.O., S236

[50] ebd., S.235

[51] vgl. Welch, David: The Third Reich – Politics and Propaganda, London 1993, S.91

[52] nach Hagemann, Walter, a.a.O., S.324